30. Sonntag im Jahreskreis
Was, wenn „sich Mühe geben“ nicht reicht?
Ich glaube sagen zu können, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ich, dass wir uns wirklich Mühe geben. Und doch müssen wir immer wieder mit Reaktionen zurechtkommen, denen wenig positives abzuringen ist. Von nicht freundlich ausgedrückten Kommentaren „warum dies oder jenes nicht geschieht oder nicht mehr getan wird“ bis hin zu aggressiven Kommentaren, dass wir „die Gemeinde“ kaputt machen oder vor die Wand fahren. Und wie es häufig passiert, wird es selten direkt oder als konstruktive Kritik geäußert. Mich persönlich verwundert das, denn seit Jahrzehnten wissen wir, dass „Gemeinde“ sich radikal verändern wird, und dass MitarbeiterInnen daran wenig ändern können. Dann kommt doch ab und zu die Frage: soll ich mir weiterhin wirklich Mühe geben?
Damit sind wir aber in guter Gesellschaft, wenn ich viele Gespräche mit MitarbeiterInnen im Einzelhandel oder in Praxen überdenke. Da geben sich Menschen Mühe und werden angefahren, beschimpft, manchmal sogar angeschrien und beleidigt. Corona fördert also auch unsere negativen Seiten. Viel dramatischer aber wirkt sich das in der Erziehung und Beziehung aus. Wenn Menschen der Eindruck vermittelt wird, dass sie nicht genügen, egal wieviel Mühe sie sich geben.
In der Seelsorge (und sicher auch in der Therapie) werden dann Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen, Geschwister, Partner, etc. benannt, denen man/frau/kind nicht genügt hat. Dahinter steckt ein tiefer Schmerz, der Menschen viel Lebensenergie nimmt.
Jesus hat sich mit den Menschen viel Mühe gegeben – und er hat keine Fehler gemacht, wie wir das täglich tun. Und auf den ersten Blick ist er grandios gescheitert, indem er einen schändlichen Tod ertragen musste. Erst wenn man genauer hinschaut, erringt er dadurch den größten Sieg überhaupt: den Sieg über den Tod. Jesus hat das getan, was der Hl. Augustinus in einem Satz erklärt: „Liebe, und dann tu das, was du willst!“ Die Liebe stand im Hintergrund und hat ihn angetrieben und gestärkt. Auch wir sollen uns weiter Mühe geben, aber ohne die Kraft der Liebe schaffen wir das nicht und geht dann sogar in die falsche Richtung. Denn wir können auch mit viel Mühe das Leben anderer noch mühsamer machen. Bitten wir ihn – Gott – um diese Kraft der Liebe, damit wir, wie unsere Vision das sagt „ein brennendes Herz“ erhalten, das fähig ist uns zu motivieren. Damit wir – möglichst mit viel Liebe – jeden Tag aufstehen und uns wieder neu Mühe geben können…..
Diese Kraft der Liebe wünscht Ihnen in dieser nicht ganz einfachen Zeit.
Ihr Pfarrer Matthias Boensmann
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